1. Einleitung
Liebe Leserin, lieber Leser;
Sie haben sie sicher auch schon angetroffen. Sei es an Spieltagen in Pubs am Einsaufen, in der Stadt am Einsingen oder mit dem ÖV zum Wankdorf reisend. Und manchmal erfreuen Sie sich ab den YB-Fans, oder Sie schämen sich nur noch, wie die Frau, welche uns sagte, dass sie sich für Bern schäme als wir während der Heimreise vom Auswärtsspiel in St. Gallen den Zug mit einer YB- Bolognese stimmkräftig erkundeten...
Während meiner Maturaarbeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie sich die Fanszene des BSC Young Boys entwickelte, denn ich bin seit drei Jahren regelmässig an den Spielen anzutreffen und frage mich immer, wie die Szene früher aussah und wie sie sich organisierte. Dabei habe ich mein Augenmerk speziell auf die letzten sechs Jahre gerichtet, weil darin der Stadionbau und die Gründung der Ostkurve und des Dachverbandes gäubschwarzsüchtig liegen.
Mit meiner Arbeit will ich Ihnen die Fanszene von YB näher bringen und will Ihnen zeigen, dass nicht die Gewalt die Fans bestimmt, sondern die gemeinsame Leidenschaft für den Verein.
2. Geschichte
2.1 Gründung
Im Jahre 1898 wurde der Berner Sportclub Young Boys (BSC YB) auf der kleinen Schanze gegründet. Die Initialzünder waren die Gebrüder Max und Oskar Schwab, welche fasziniert waren vom neuartigen Ballspiel. Die Gründer einigten sich auf die Vereinsfarben gelb und schwarz und auf den Namen Young Boys in Anlehnung an den Basler Verein Old Boys. Als erster Trainingsplatz diente der Turnplatz des Kirchenfeldschulhauses.
Der FC Bern wurde bald auf das junge Team aufmerksam. Sie schlugen ihnen vor, sie als Schülerteam aufzunehmen. Dabei könnte YB das Material des FC Bern benützen. Sie müssten auch keinen Beitrag zahlen. Für YB war dieses Angebot sehr verlockend, denn sie verfügten über wenige flüssige Mittel. Also willigten sie ein und spielten von nun an als Schülerteam des Fc Bern. Doch diese Liaison zwischen den Teams hielt nicht lange an. Als die YB Spieler in die erste Mannschaft des FC Bern aufstiegen und somit ältere FCB Spieler auf die Ersatzbank ausweichen mussten, taten diese ihrem Unmut kund und verlangten, dass auch die jungen Spieler von YB Mitgliederbeitrag zahlen müssen. Also wurde YB vor die Wahl gestellt: entweder zahlen oder sie werden vom Verein ausgeschlossen. Die Young Boys konnten sich das nicht leisten und somit kündigten sie das Verhältnis mit dem FC Bern. Somit war die Rivalität zwischen den Teams geboren.
Die Heimspiele führte YB auf dem Schwellenmätteli durch, welche meist gut besucht waren. Im Jahr 1900 wurde bei ihren Heimspielen erstmals eine Fahne geschwungen, welche ein paar Gönner organisiert hatten.
2.2 Erster Hattrick¹
Vier Jahre nach der Gründung konnte Bern den ersten Meistertitel von YB feiern. Dieser Meistertitel zog mehr Leute an, wodurch YB gezwungen war, ihre Spiele auf dem Spitalacker auszutragen, da dort die Spielstätte mit einer Holztribüne für die vielen Zuschauer mehr Platz bot. Ca. 5‘000 Personen konnten so die Heimspiele von YB mitverfolgen.
Mit drei in Folge gewonnen Meistertitel von 1909 bis 1911 gelang YB der erste Titel- Hattrick in der Vereinsgeschichte und somit etablierte sich YB im schweizerischen Fussball. Die Leistungen fanden bei der berner Bevölkerung hohe Anerkennung. Wenn YB nicht zuhause spielte, traf man sich im Ratskeller, wo man gespannt auf den Anruf wartete, welcher das Resultat bekannt gab. Während diesem ersten Hattrick waren immer hundert Schlachtenbummler² an den Auswärtsspielen anzutreffen, welche entweder mit dem Zug oder mit dem erst in Mode gekommenen Auto an die Spiele reisten.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Spitalacker zu einem Kartoffelfeld umfunktioniert. Desshalb mussten die Fussballer auf die Kasernenmatte ausweichen. Dennoch wurde YB 1920 auf ungewohntem Boden zum fünften Mal Meister.
1929 folgte der sechste Titel der Young Boys. Dies war der erste Titel im 1925 fertiggestellten Wankdorf, der neuen Heimstätte der Berner.
2.3 Zweiter Hattrick
Unter Trainer Albert Sing gewann YB zwischen 1957 und 1961 viermal hintereinander den Titel, womit sie den zweiten Hattrick in der Vereinsgeschichte vollbrachten. Bei der Meisterkür 1957 feierten 10‘000 Berner mit den Spielern. Nicht diese vier Titel machte YB zu einer der besten Mannschaften in Europa zu der Zeit, sondern das Vorstossen in den Halbfinal im Europacup der Landesmeister³ 1959.
In den Meisterjahren unter Trainer Albert Sing waren die Heimspiele der Young Boys immer gut besucht. Die meisten Zuschauer kamen gegen GC und La Chaux- de- Fonds ins Wankdorf. Es waren bis zu 25‘000 Fans⁴. Damals war dies eine beachtliche Zahl. Zudem machten die Erfolge YB zum grössten Sportverein der Schweiz, denn anfangs der Saison 1959/60 hatte YB 3‘776 Mitglieder.
Ein Spiel, dass nie in Vergessenheit geraten wird, war die Begegnung YB gegen Stade de Reims im Halbfinal des Europacups der Landesmeister, welches 1959 vor 60‘000 Zuschauern im Wankdorf ausgetragen wurde. Dies ist ein schweizweiter Rekord. Die Berner gewannen sehr knapp mit 1 zu 0 und somit winkte die erste Teilnahme einer schweizer Mannschaft im Final, wo Real Madrid auf dem Programm gestanden wäre. Doch im Rückspiel verlor YB in Reims mit 3:0. Die Partie war ein Strassenfeger in Bern, denn sie wurde im Fernsehen übertragen. Die Tea- Rooms und Restaurants waren hoffnungslos überfüllt. Bis heute ist keine andere schweizer Mannschaft weiter als bis in den Halbfinal eines internationalen Turniers gekommen.
2.4 Nach Ära Sing
Nach der Ära Sing spielte YB immer wieder in den vorderen Rängen mit, doch das erfolgsverwöhnte berner Publikum wollte mehr. Ausser einem Halbfinaleinzug im schweizer Cup und vielen zweiten Rängen blieb ihnen aber nicht viel zu feiern übrig. Erst 1977 gewann YB den nächsten Titel. Es sollte der letzte sein bis zum Meistertitel 1986.
Im Jahr 1986, in welchem YB das letzte Mal den Titel gewann, besuchten durchschnittlich 10‘500 Zuschauer die Spiele im Wankdorf. Dass waren 5‘960 mehr als im Vorjahr. Es war die Zeit von Lars Lunde, welcher mit 21 Toren Torschützenkönig in der Nationalliga A wurde. Bereits in der ersten Runde des Europacup der Landesmeister traf YB mit Real Madrid auf einen interessanten Gegner. Schon damals das Mass aller Dinge, lockte Real 32‘000 Zuschauer in das Wankdorfstadion. YB gelang die Sensation: Sie fertigten Real mit 1:0 ab. Unter Trainer Mandziara und mit Spielern wie Conz, Lars Lunde, Dario Zuffi etc. war das Team sehr stark. Doch die Sensation währte nicht lange. In Madrid setzte es für YB eine 5:0 Klatsche ab.
2.5 90er Jahre: Abstieg
1993 folgte der nächste internationale Auftritt. Im Hinspiel in Bern gegen Glasgow fanden nur 7‘300 Fans den Weg ins Wankdorf, denn im Vorfeld krachte es um den Vorstand der Berner. Man wollte den guten Stürmer Nowak nach Deutschland verkaufen und das sorgte für hässige Gemüter. Das Spiel endete 0:0. Ein gutes Resultat für YB, würde ihnen so in Glasgow ein Tor fürs Weiterkommen reichen. Obwohl die Berner gut spielten und mit allen Kräften versuchten, kein Gegentor zu bekommen und vorne eins zu schiessen, gewannen die Glasgower in der Nachspielzeit mit 1:0. Dies war der letzte internationale Auftritt von YB für die nächsten zehn Jahre. Georges Bregy, Martin Weber, Peter Kobel und Adrian Kunz waren damals die Schlüsselspieler von YB und bildeten den Kern einer sehr starken Mannschaft.
Für die Berner folgten schwere Zeiten. Neben sportlichen schlechten Resultaten öffnete sich in der Bilanz von YB eine grosse Lücke, welche zuerst durch Investoren ausgefüllt werden konnte. Trotzdem spielten die Berner immer schlechter und konnten sich zweimal nur knapp vor dem Abstieg retten. In der Saison 96/97 stieg YB nach 50 Jahren Nationalliga A in die Nationalliga B ab. In dieser Saison betrug der durchschnittliche Zuschaueraufmarsch 4‘876. Bereits in der folgenden Saison gelang YB wieder den Aufstieg. Die Zuschauerzahl veränderte sich nicht stark, obwohl sie aufgestiegen waren. Doch in der Saison 98/99 stiegen die Berner wieder ab. Der Fall konnte nicht gestoppt werden: In der Zeit 99/00 geriet YB sogar in Gefahr, in die erste Liga abzusteigen. Dies konnte glücklicherweise verhindert werden. Nur noch durchschnittlich 2‘581 Fans gingen an die Spiele von YB. Auswärts waren 20- 40 Leute dabei. D.h., der harte Kern der Fans blieb unverändert , da sich die Zahl der auswärts fahrenden Fans nach dem Abstieg nicht veränderte.
2.5.1 Hooligans⁵:
Gegen Ende der 80er Jahre und anfangs 90er Jahre gab es die ersten Hooligans unter den YB Fans. Diese sind heute unter dem Namen East-Side bekannt. Zu dieser Zeit war die Zunahme am auffälligsten, da in den 90-er Jahren die Hooliganszene den grössten Zuwachs verzeichnen konnte. Heute sind noch 30- 40 Personen bei der East-Side.
2.6 2001: Aufstieg
In der Saison 00/01 gelang YB unter Trainer Marco Schällibaum und einer starken Mannschaft mit Spielern wie Gürkan Sermeter, Harut Vardanjan, Erich Hänzi, Thomas Häberli, Fryand etc. den Aufstieg in die NLA. Die Zuschauermenge wurde mit durchschnittlich 4‘475 wieder grösser. Das erste Spiel in der NLA gegen Lugano war zugleich das letzte Spiel im alten, ehrwürdigen Wankdorf. In den Jahren 2001- 2005 wurde das Stadion neu gebaut, welches mit dem unschönen Namen Stade de Suisse ausgeschmückt wurde. YB Fans beharren aber auf den Namen Wankdorf. Als Ausweichsspielfeld diente das Neufeld, welches 10‘000 Zuschauer fasst und für YB auf 12‘000 Plätze ausgebaut wurde. In den Jahren von 2001 bis 2005 war das die neue Heimstätte der Young Boys. In diesen Jahren waren durchschnittlich immer 7‘000 bis 9‘000 Zuschauer an den Spielen, also eine hohe Steigerung gegenüber den Jahren zuvor in der NLB. Vor allem bei Spielen gegen den Fc Basel war das Neufeld meistens voll. In der ersten Saison nach dem Aufstieg beendete YB die Saison auf dem bescheidenen achten Platz. Doch bereits 2003 konnte sich YB unter den Ersten vier der NLA platzieren.
Im Uefa Cup 03/04 hiess der Gegner MyPa aus Finnland. Viele YB- Fans nahmen die weite und beschwerliche Reise nach MyPa auf sich, wo YB überraschend 3 zu 2 verlor. Im Rückspiel, welches in Basel ausgetragen wurde, gab es ein 2 zu 2 und damit schieden die Berner schon aus dem Uefa Cup aus. Im gleichen Jahr belegte YB in der Meisterschaft in der neuen Axpo Super League den zweiten Platz und waren damit berechtigt, sich für die Champions League zu qualifizieren. Ihr Gegner hiess Roter Stern Belgrad, welcher bereits das Ende für die Young Boys bedeutete. Dies war die letzte Teilnahme von YB an der Champions League bis heute.
2.7 Ultras⁶
Um die Jahrhundertwende wurde bei der Anhängerschaft eine neue Art von Fans erkenntlich: die Ultras. Mit der Gründung von Inferno Bern nahm die Fahnenpracht in der Fredy- Bickel Kurve im Neufeld zu. Die Ziele von Inferno Bern waren, eine Ultra- Bewegung unter den YB- Fans aufzubauen im Hinblick auf das neue Stadion. Inzwischen wurde Inferno Bern aufgelöst. Ihre Nachfolge treten viele verschiedene Ultra- Gruppierungen an. Dies sind die Schurken, Castillo Negro und Maniacs, welche zusammen die Ostkurve leiten. Daneben gibt es noch kleinere, jüngere Ultra- Gruppierungen.
2.8 Das neue Wankdorf
Im Sommer 2005 schlug manchen Bernern das Herz höher, als sie ins Wankdorf hinaus fuhren: Das neue Stadion war fertig gebaut. Mit dem neuen Stadion stiegen aber auch die Erwartungen. Manches wurde von der YB- Leitung versprochen und mit vielen neuen Spielern sollte Trainer Hanspeter Zaugg ein Meisterteam formen. Doch die Realität sah ziemlich anders aus: Die Eröffnungsveranstaltung war eine totale Blamage, die durchschnittliche Besucherzahl von 14‘139 lag unter den Erwartungen und YB spielte ganz und gar nicht meisterlich, das Eröffnungsspiel gegen den GCZ wurde mit 3:0 vor 23‘663 Zuschauern verloren. International reichte es nur für den UI- Cup, in welchem YB zuerst Lokeren rauswarf, doch später gegen Marseille scheiterte. In der Mitte der Vorrunde wurde Hanspeter Zaugg, welcher in seinen letzten Spielen von den berner Anhänger mit „Pidu raus!“ rufen schikaniert wurde, durch Gernot Rohr ersetzt. Es lief also gar nicht nach Plan. Trotz dem misslungenen Start im neuen Wankdorf schafften es die Berner, mit Gernot Rohr bis in den Cupfinal vorzustossen. Der Gegner hiess Fc Sion. Das Wankdorf war bis auf den letzten Platz ausverkauft und beide Fangruppierungen überzeugten mit schönen Choreos. YB hätte also noch eine Chance gehabt, ihr Versprechen, einen Titel zu gewinnen, einzulösen, doch sie verloren im Penaltyschiessen mit 6:4.
2.9 Neue Fans
Mit dem neuen Stadion wuchs das Interesse an YB. Es kamen mehr neutrale Zuschauer an die Spiele von YB, womit die Zuschauerzahl wuchs. Es gibt auch das Phänomen von Fans, welche nach einer gewissen Zeit wieder abwandern und die Spiele nicht mehr besuchen, da YB zu schlecht spielt. Man nennt sie unter Fankreisen auch Modefans. Mit den neuen Wankdorf wuchs auch die Zahl der Ultras in der YB Fanszene, welche die Kurve mit vielen Zaunfahnen, Doppelhalter und Schwenkfahnen verschmückten. Zudem nahmen sich die Ultras zum Ziel, die Stimmung zu verbessern, indem sie einen Capo bestimmten, welcher die Zuschauer anheizen sollte. All diese Veränderungen liefen schlussendlich in die Gründung der Ostkurve Bern, zu welcher ich später noch kommen werde.
3.1 Martin Andermatt (??)
Die Saison 06/07 begann für YB genau gleich wie die Vorherige. Es wurde wieder viel versprochen und nicht eingehalten. Somit wuchs das Misstrauen der Führung in den Trainer, wodurch Gernot Rohr noch in der Vorrunde den Hut nehmen musste. An seine Stelle trat Martin Andermatt, welcher zuerst mit Skepsis aufgenommen wurde, da sich die meisten Hanspeter Latour als Trainer wünschten. Doch Martin Andermatt konnte sich etablieren.
Im Uefa Cup hiess der erste Gegner Mika Ashtarak aus Armenien, welcher kein grosses Hinderniss für YB darstellte. Der zweite Gegner war wiederum Olympique Marseille. Im Hinspiel im Wankdorf erfreuten die beiden Teams mit einem schnellen und starken Spiel die 18‘273 Zuschauer. Der Match endete 3:3. Im Rückspiel in Marseille waren etwa 200 berner Anhänger in die mittelmeer Metropole gereist, welche mit Pyros (Fackeln) und einheitlichen Tenues das Team fast zu einer Sensation trieben, denn YB schrammte knapp an einem 1:0 Erfolg vorbei. Doch das entscheidende Tor blieb aus und so schied YB mit einem 0:0 in der zweiten Qualifikationsrunde aus.
In der Liga kamen sie unter Trainer Andermatt auf den vierten Rang, welcher eigentlich keine Uefa-Cup Quali erlaubte, doch da Basel zweiter und zugleich Cupsieger wurde, war auch der viertplatzierte für die Teilnahme am Uefa- Cup berechtigt. Somit konnten sie zum vierten Mal hintereinander an internationalen Cups teilnehmen. Während der Saison 06/07 besuchten rund 15‘566 Zuschauer durchschnittlich die Spiele, ein neuer Rekord für YB seit dem Aufstieg.
3.2 Saison 07/08
In der ersten Runde des Uefa- Cups 07/08 konnte YB wieder in die gleiche Stadt reisen wie vor einem Jahr, nämlich nach Ashtarak. Diesesmal hiess der Gegner aber nicht Mika, sonder Banants. Dies war wiederum kein Problem für die Berner. 20 Fans traten die lange Reise mit der Mannschaft an.
In der zweiten Qualifikationsrunde ging es nach Lens, eine kleine Stadt im Norden Frankreichs. Im Hinspiel im Wankdorf ging die Partie 1 zu 1 unentschieden aus. In Lens verlor YB mit 5:1. Die rund 300 mitgereisten Fans waren enttäuscht, konnten sich aber später an der in der Liga frisch aufspielenden Mannschaft erfreuen, welche sich auf dem dritten Platz hinter Basel und Zürich etablieren konnte. Auch der Trainer wurde noch nicht entlassen, Die Zeichen zeigen eine erfolgreiche Zeit für YB voraus. Wäre auch langsam Zeit, denn die YB Fans warten nun schon 21 Jahre lang auf einen Titel. Doch die YB Fans sind hart im nehmen. Laut Mark Ammann, 26 jährig, seit 13 Jahren regelmässig mit YB auf Leidenstourné, zudem eine feste Grösse in der Ostkurve und Präsident von GSS, habe die lange Durstsrecke die YB Fans abgehärtet und zu einer gehörigen Portion Selbstironie und Humor geführt. Auf die Frage, wann YB das nächste mal Meister werde, antwortete er ironisch, dass sie dann Meister werden, wenn die Liga auf eine Mannschaft reduziert werde oder ansonsten erst nach seinem Ableben.
4. Ostkurve Bern (OKBE)
4.1 Gäubschwarzsüchtig GSS
Im Jahre 2003, als YB noch im Neufeld spielte, wurde von verschiedenen Fangruppierungen der Dachverband Gäubschwarzsüchtig gegründet.
Unter Dachverband versteht man das Auftreten von GSS als Dachorganisation aller offiziellen YB- Fanclubs und das Vertreten ihrer Interessen. Beim Dachverband sind all jene Fanclubs vertreten, welche bei YB Vereinstatuten eingereicht haben und bei der Vereinsversammlung von GSS durch eine 2/3 Mehrheit angenommen wurden. Der Dachverband wird durch einen sieben köpfigen Vorstand geleitet. Der Vorstand trifft regelmässig zusammen um aktuelle Themen zu diskutieren.
4.1.1 Ziele
Der Dachverband wurde gegründet, damit die Fans des BSC YB ein offizielles Mittel zur Kommunikation mit dem Verein, den Behörden und der Polizei zur Verfügung hatte. Man wollte ein besseres Sprachrohr schaffen, durch welches man sich Gehör beim Verein erhoffte. Zudem war die Durchführung von Choreographien ein weiteres Ziel des Dachverbandes.
Die heutigen Ziele haben sich mit der Gründung der Ostkurve wesentlich geändert, da diese jetzt die Durchführung von Choreos übernehmen. Zudem überlassen sie nun die Kommunikation mit den Behörden und der Polizei grösstenteils der Fanarbeit Bern, welche vor allem durch das Engagement von GSS gegründet wurde. Ein neues Ziel oder ein neuer Aufgabenbereich von Gäubschwarzsüchtig ist das Leiten des Fanshops und der Verkauf sowie die Produktion von speziellen Fanartikeln zu einem Anlass, wie z.B. ein Cupfinal- Schal.
4.1.2 Tätigkeit
GSS bleibt nach der Gründung der Ostkurve und der Fanarbeit Bern nicht untätig. Sie organisieren weiterhin Carfahrten oder Extrazüge oder reservieren Abteile in normalen Zügen. Sie erhalten auch Tickets vom Verein für Auswarätsspiele, welche sie an die Fans weiter verkaufen. GSS hat sich auch als Ansprechpartner für die Medien etabliert und unterstützt karitative Aktionen und setzt sich gegen Rassismus im Stadion ein. Ein weiteres gutes Beispiel für ihre Vereinstätigkeit war die Verhandlung mit einem Reisebüro, mit welchem sie einen angemessenen Preis für die Reise zum Spiel von YB in Armenien für die YB- Fans aushandelten.
4.1.2.1 Fanshop
Der Fanshop beim Wankdorfstadion wird zu einem grossen Teil von GSS betrieben. Jeweils vier Personen leisten während den Heimspielen bis zu sechs Stunden Fronarbeit im Fanshop in der Ostkurve. GSS erhält dafür eine Usamtzbeteiligung, welche die grösste Einnahmequelle vom Dachverband darstellt.
Insgesamt leisteten die Mitglieder von GSS über 1‘000 Stunden freiwillige Arbeit im Jahre 2006, was sehr bemerkenswert ist und deren Einsatz für den Verein und die Fans unterstreicht.
4.1.3 Position gegenüber Hooligans, Ultras und Feuerwerke
GSS nimmt keine spezielle Stellung gegenüber diesen beiden Gruppierungen ein, da sie es ablehnen, andere Gruppen zu werten, da sie sich selber nicht als bestimmte Gruppe definieren wollen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Mitglieder gegenüber Feuerwerken positiv gesinnt sind und deren Einsatz ästethisch schön finden. Sie sind gegen eine Kriminalisierung von Pyrotechnik und deren Gleichstellung mit Hooligans, was in den Medien eigentlich immer gemacht wird.
4.2 Ostkurve
Mit dem neuen Stadion äusserten die berner Fans den Wunsch einer Kurve, in welcher die Anhänger zusammen für Stimmung sorgen könnten. Dafür wurde der Sektor D zum Stehplatzsektor ernannt. Jetzt fehlte nur noch ein Name für den Sektor D, welcher das Zusammengehörigkeitsgefühl der YB- Fans stärken soll. Dafür gründeten die Ultra Gruppierungen die Ostkurve, da die Kurve im Osten des Stadions liegt. Ab Sommer 06 und nach einer Choreographie in Luzern begann sich die Ostkurve zu etablieren.
„ Eine Kurve ist das Herz eines Stadions. Von dort soll die Stimmung kommen, von dort sollen Emotionen und Gesänge die Mannschaft zum Sieg treiben>...<Die Buchstabierung (D6, D8; C14; etc.) jedes Sektors soll nicht den Kurvennamen darstellen, diese dient lediglich, um seinen Platz zu finden, und nicht um sich zu treffen! >...< Unser Ziel ist es, dasss sich die Leute in der OSTKURVE treffen, in der OSTKURVE Stimmung machen, mit der OSTKURVE Emotionen erleben, durch dick und dünn gehen. Die OSTKURVE soll in Bern ein Treffpunkt werden, an dem sich jegliche Persönlichkeit, jeglicher Charakter und vor allem jegliche Kulturen einfügen können. Egal ob schon in Rente oder erst im Schulabschluss. Egal ob Klein oder Gross. Egal ob Alt oder Jung.<...> Nun denken sicher viele Leute, wieso überhaupt eine OSTKURVE? Braucht es noch ein weiterer komischer undurchsichtiger Fanclub? Haben wir nicht bereits gäubschwarzsüchig? Die Antwort ist einfach. Wir sind kein Fanclub, wir sind kein Dachverband. Wir sind all jene YB- Fans, die sich hinter die Mannschaft stellen, die Hinter dem Tor für Stimmung sorgen.<...> Der Dachverband ist da um die Kommunikation zu den Fanclubs, Fangruppierungen und zum Verein aufrecht zu halten. Aber Einzelpersonen können sich dem Dachverband nicht unterordnen, sie bekommen keine Informationen auf welchen Zug die Fans von der OSTKURVE (Sektor D) gehen, wo man sich die beliebten YOUNG- BOYS Shirts und Pullis kaufen kann, usw.“
Dies ist die Erklärung der Gründer der Ostkurve. Man sieht, dass sie von Rassissmus nichts halten und dass die Ostkurve da ist, um die Mannschaft zu unterstützen. Zudem kann man lesen, das die Ostkurve keinen Fanclub oder Dachverband darstellt wie Gäubschwarzsüchtig. Es ist eine lose Vereinigung aller YB Anhänger geleitet durch die Ultras.
4.2.1 Leiter der Ostkurve
Die Ostkurve Bern wird von jungen, aktiven Personen aus der bestehenden Ultraszene geleitet. Die Ultragruppierungen Castillo Negro, Maniacs und Schurken gelten als hauptsächliche Organisatoren der Ostkurve. Zu ihren Aufgabenbereichen gehört der Verkauf der OKBE- Artikeln, das Organisieren von Carfahrten, die Planung von Choreographien und die Kommunikation unter den Fans. Aus ihren Reihen kommt auch der Capo, welcher die YB- Anhänger zur lautstarken Unterstützung der Mannschaft anstachelt.
4.2.2 Kommunikation
Die Kommunikation mit den Fans gestaltet man vielseitig mit Infoblättern, welche im Stadion verteilt werden und mit der Internetseite ostkurve.be, wo sich die Fans über anstehende Carfahrten informieren können.
4.2.3Kritik
Vielen YB Fans ist die Funktion der Ostkurve noch nicht ganz bewusst. Die meisten assoziieren damit nur die Ultraszene, welche für viele mit ihrem pyrotechnischen Material ein Dorn im Auge ist. Sie vergessen aber, dass sie selber auch Teil der Ostkurve sind, indem sie im Sektor D die Mannschaft mitunterstützen.
Ein weiterer Kritikpunkt der Ostkurve betrifft die Sitzplätze, welche vor allem auf den Seiten der Kurve während dem Spiel immer benützt werden und was sich dann entsprechend schlecht auf die Stimmung auswirkt. GSS und OKBE verhandelten schon mit der Stadionleitung. Diese sagten immer, sie werden sich um die Sache kümmern und darauf zurück kommen. Bis heute hat sich noch nichts geändert und auch in Zukunft ist keine Änderung in Sicht.
4.3 GSS <-> OKBE
Das Verhältnis von GSS zur Ostkurve ist gut und die Aufgaben sind klar verteilt. Während GSS die Sprechplattform mit der Vereinsführung darstellt, ist die Ostkurve für die Kommunikation unter den Fans zuständig. Es besteht keine Konkurrenz zwischen den beiden. Man schätzt das gegenseitige Engagement. Das persönliche, emotionale Interesse am BSC YB ist beiden wichtiger als die Zugehörigkeit zu einem Fanclub.
Da durch die Gründung der Ostkurve die Planung von Choreos eher eine Aufgabe der Ultras wurde, ist dies nicht mehr eine Aufgabe von gäubschwarzsüchtig. Sie unterstützen aber die Ostkurve mit finanziellen Mittel für die Durchführung und Herstellung der Choreographien. Die beiden Organisationen unterstützen sich also gegenseitig.
4.4 Fanarbeit Schweiz
Im Mai 2005 wurde der Verein Fanarbeit Schweiz gegründet. Da stellt sich die Frage, was Fanarbeit überhaupt bedeutet. Auf der Internetseite von Fanarbeit Schweiz (FaCH) findet man folgende Umschreibung:
Fanarbeit ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methoden, denen gemeinsam ist, auf gruppendynamische Prozesse in der Fanszene Einfluss zu nehmen.
Um die Fans zu unterstützen, muss die Fanarbeit die Kurve zuerst durchleuchten und die Struktur und Organisation der Fangruppierungen und deren Abstufungen erkennen. Wenn sie einen positiven Draht zu den Fans knüpfen konnte, geht es darum, auf die Bedürfnisse der Fans einzugehen und zwischen den Akteuren zu verhandeln, d.h. zwischen Fans und Verein, Polizei und Jugendarbeit. Die Fanarbeit ist unabhängig vom Fussballclub und der Polizei.
4.5 Ziel FaCH
Das Ziel der FaCH ist, die Anliegen der Fans zu vertreten und deren Ideen zu unterstützen, nach dem Motto: „Die Welt und der Fussball sind rund.“ D.h. es geht nicht um Gewalt, sondern um Fussball, welcher das Leben der meisten Fans ausfüllt. Sie versucht den Dialog zwischen den Konflikparteien zu erhalten, denn Gewalt entsteht vor allem da, wo kein Dialog mehr möglich ist (nach FaCH).
4.6 Fanarbeit schweizweit aufbauen
In der Schweiz steckt die Fanarbeit noch in den Kinderschuhen. Es ist aber absehbar, dass es, wie in Deutschland, auch für die schweizer Vereine obligatorisch wird, eine professionelle Fanarbeit aufzubauen. Bisher gab es nur in Basel ein Projekt mit bezahlten Fanarbeitern. In Bern äusserte der Dachverband gäubschwarzsüchtig den Wunsch, auch bei YB eine Fanarbeit zu etablieren. Somit wurde der Trägerverein Fanarbeit Bern gegründet.
4.7 Fanarbeit Bern
Wie gesagt, äusserte gäubschwarzsüchtig den Wunsch, dass in Bern eine Stelle aufgebaut wird, welche als Anlaufstelle und Interessenvertreterin für die Fans gebraucht werden kann. Somit wurde anfangs 2007 der Trägerverein Fanarbeit Bern gegründet. Die Ziele dieses Vereins sind folgende:
- Die Bedürfnisse der Fans anzuhören und ernst zu nehmen
- Die Fans in der Ausgestaltung ihrer Fankultur zu unterstützen
- Im Spannungsfeld der verschiedenen Beteiligten innerhalb und ausserhalb des Stadions zu vermitteln.
4.7.1 Fanarbeiter
Um diese Ziele umzusetzen, braucht es kompetente Fanarbeiter, welche die berner Szene bereits kennen und über soziale Fachkompetenzen verfügen. Der Trägerverein wurde mit den beiden Studenten Lukas Meier und Rafael Ganzfried fündig. Beide arbeiten zu 40 % als Fanarbeiter. Lukas Meier eignet sich desshalb als Fanarbeiter,weil er schon langjähriger YB Anhänger ist und somit die Szene kennt. Rafael Ganzfried studiert an der berner Fachhochschule Sozialarbeit und bringt somit fachliche Kompetenzen mit.
Als erstes müssen sich die Beiden in der Szene etablieren und sie besser kennen lernen. Es muss eine Vertrauensbasis mit den Fans geschaffen werden. Zudem müssen sie die Interessen der Fans in Erkenntnis bringen. Um dies zu machen, führten sie eine Umfrage in der Kurve durch, wo jeder Anhänger seine Erwartungen an die Fanarbeit äussern konnte.
4.7.2 Projekte
Das Motto der Beiden lautet: „ Aus der Kurve, für die Kurve“, welches den Nagel auf den Kopf trifft. Sie setzen sich auch für eine Ostkurve ohne Sitze ein, was schon beim Bau vom neuen Wankdorf von einigen Fans verlangt wurde, aber wegen der kommerziellen Benützung des Wankdorfs nicht möglich ist.
Als ganz dringendes Projekt sieht die Fanarbeit den Aufbau eines zentralen Fantreffs, welcher in der Nähe vom Wankdorf liegen sollte und wo sich die Anhänger nach einem Spiel oder nach einem harten Tag noch einen genehmigen können. Ein weiteres Projekt, welches durch die gemeinsame Besprechung mit der Ostkurve Leitung und gäubschwarzsüchtig entstand, ist das Projekt „2. Chance“, mit welchem die drei Akteure versuchen, Personen mit Stadionverboten wieder in die Kurve zu integrieren.
4.8 Stadionverbote
Da in den Fankurven der schweizer Vereine Stadionverbote ein viel diskutiertes und für Zündstoff sorgendes Thema geworden ist, ist es notwendig, dies hier mit einem kleinen Einschub anzusprechen.
4.8.1 BWIS
Mit den neuen Bestimmungen im Bundesgesetz über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS), welche am 1. Januar 2007 in Kraft getreten sind, kann jemand mit einem Stadionverbot direkt in die Hooligan-Datenbank Hoogan aufgenommen werden. EIn Stadionverbot kann von jedem privaten Veranstalter ausgesprochen werden. Das Stadionverbot gilt als Fakt, es findet kein Schiedsgericht darüber statt, ob das Stadionverbot gerechtfertigt ist oder ob es nur aus Willkür und ohne wichtigen Grund ausgesprochen wurde. Man kann sich also nicht dagegen wehren.
4.8.2 Hoogan
Ist man erstmal in der Hooligan Datenbank Hoogan registriert, wird man nicht so schnell wieder aus der Datenbank gelöscht. Der Eintrag wird frühestens drei bis zehn Jahre nach der verfügten Massnahme gelöscht. Der Eintrag in der Datenbank hat zur Folge, dass Leute bei grossen Veranstaltungen auch noch Jahre nach dem „fälschlichen“ Verhalten grossen Ereignissen fernbleiben müssen, und dies gilt schweizweit.
4.8.3 Gefordert: Schiedsgericht
Um dem Verhängen von willkürlichen und nicht gerechtfertigten Stadionverboten entgegen zu wirken, fordern jetzt Fans und Fanarbeiter ein unabhängiges Schiedsgericht, welches beide Stimmen zum Verhängen eines Stadionverbotes anhören soll und über das Stadionverbot entscheiden soll.
4.8.4 Stadionverbote gegen YB- Fans
In der neuen Saison wurden zahlreiche willkürliche Verbote gegen Berner ausgesprochen, welche nicht begründet noch diskutiert wurden. Dagegen protestiert nun die Ostkurve in Beihilfe mit den Fanarbeitern. Um ihrem Unmut zu zeigen, hängen sie jedes Spiel die Zaunfahnen als Protest verkehrt herum auf. Zudem verzichten sie auf die Durchführung von weiteren Choreos. Sie wollen nicht mehr Stunden mit basteln verbringen, während ihre Leute mit willkürlichen Stadionverboten belegt werden. Sie fordern ein Anhörungsrecht und zwingend einen Schuldnachweis durch die Polizei resp. durch den Sicherheitsdienst vor der Erteilung eines Stadionverbotes. Wenn diese Forderungen umgesetzt werden, wird es auch in der Ostkurve wieder Choreographien zu bewundern geben.
4.9 Choreographien in der Ostkurve
4.9.1 Definiton
Viele können sich unter Choreographien im Fussballstadion nichts vorstellen. Die meisten verbinden das Wort mit Tanzen, von wo das Wort auch stammt: Choreographie ist griechisch und heisst Tanzschrift. Man erfindet und studiert Bewegungen ein. Auch eine musikalische Komposition oder eine Inszenierung eines Theaterstückes mit vielen Personen gilt als Choreo.
In der Fankurve eines Stadion trifft man alles an: Man studiert Bewegungen ein, z. B. synchrones Händeklatschen in einem bestimmten Takt, welcher möglicherweise eine Trommel vorgibt. Zudem singt man noch ein Lied dabei. In grösseren Stadien wird das Gesänge noch über Lautsprecher in das ganze Stadion verteilt, damit es jeder hören und vielleicht mitsingen kann. Solche Choreos trifft man in den Stadien an.
Bei manchen Spielen sieht man, das sich die Fans in der Fankurve formieren und zum Beispiel Plakate in die Luft halten, welche schliesslich ein Bild ergeben. Oder es wird ein grosses Plakat über die Fans gezogen, worauf eine Nachricht oder ein Bild zu sehen ist. Umgangssprachlich nennt man dies eine Choreo. In der Folge werde ich ein paar Choreos der berner Ostkurve darstellen und komentieren.
4.9.2 Cupfinal YB-Sion
Am Ostermontag 2006 stand der Cupfinal zwischen YB und Sion auf dem Programm. Der FInal wurde nach fünf Jahren Gastspiel in Basel wieder im Wankdorf ausgetragen. Das Stadion war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Voraussetzungen für ein stimmungsreiches und spannendes Spiel waren gegeben. Man merkte bald, dass die Walliser zahlenmässig überlegen waren, da der Effekt, mit kleinen Fähnchen zu schwingen, die Masse verbreitert. Punkto Zuschauer waren die Walliser überlegen, doch die beiden Choreos der Fangruppierungen konnte man nicht vergleichen: Während sich die Walliser mit Spruchbänder und Fähnchen schwingen begnügten, Legten sich die YB Fans ins Zeug und fertigten in vielen Arbeitsstunden eine sehr schöne Choreo. Die Choreo bestand aus einem grossen Plakat mit einem Bären, welcher sich durch die Qualifikationsspiele bis ins Wankdorf kämpfte. Die aussgeschaltenen Vereine während der Qualifikation sind mit Pfeilen dargestellt, welche im Rücken stecken oder zerbrochen auf dem Boden liegen. Der Bär zerreist aus Wut das Wappen vom Fc Sion als letztes Hinderniss zum Titel. Das Bild ist eingerahmt mit hochgehaltenen gelben Papieren. Vor der Kurve wurde ein Plakat mit dieser Aufschrift aufgehängt:
„19 Jahr sit em Titu, 15 Jahr sit dr Schmach, hüt chunnt üsi rach.“
Dieses Plakat drückt aus, das Bern schon lange auf einen Titel warten muss und heute der Tag ist, wo wieder einer geholt wird. Mit der Schmach ist der Cupfinal 1991 gemeint, in welchem YB Sion mit 3:2 unterlag. Doch auch die schönste Choreographie konnte das Endergebnis nicht ändern. Das Spiel endete nach Penaltyschiessen 4:6 zugunsten des Fc Sions.
4.9.3 Abschied Gügi
Gügi- Gürkan Sermeter- gab zu beginn der Saison 06/07 an, dass er YB verlassen werde. Er wollte nicht auf der Ersatzbank seine Karriere beenden und wechselte zum Fc Aarau, wo ihm ein Stammplatz sicher war. Gügi war eine Symbolfigur für die Fans. Man konnte sich mit ihm identifizeren, er war einer der alten Garde, welche mit YB in der NLB spielte und 2001 aufstieg. Mit seiner freundlichen und sympathischen Art haben ihn viele Fans ins Herz geschlossen. So war der Schmerz umso schlimmer, als man erfuhr, dass Gügi den Verein verlassen würde. Somit ging wieder eine YB Identitätsfigur verloren. Die Fans machten mit einer Choreo ihrem Unmut Luft .Dabei spannten sie ein YB Trikot mit Gügis Namen und seiner Nummer über die Kurve und verteilten Blätter mit der Nummer 8 drauf, welche in die Luft gehoben wurden. Sie schrieben auch hier wieder eine Nachricht:
„Ä Abschied mit Härz, umso grösser isch dr Schmärz“
Bei diesem Anblick konnte auch Gügi seine Gefühle nicht mehr unterdrücken und rannte mit Tränen in die Kabine. Die YB Fans ruften weiter seinen Namen und tun dies immer noch, wenn Gügi mit seiner Mannschaft ins Wankdorf einläuft.
4.9.4 Jauch muss weg!
Jauch jagte im 2002 Sportchef Fredy Bickel weg, welcher jetzt mit dem Fc Zürich zweimal Meister wurde und einmal den schweizer Cup gewann. Zudem verscheuchte er 2003 den mit YB erfolgreichen Trainer Marco Schällibaum, da er den hohen Titel Ansprüchen nicht mehr genügte. Er versprach, mit dem Einzug ins Wankdorf werde YB wieder ganz vorne mitspielen und den Meistertitel holen, was nicht ganz der Realität entsprach, wie sich später herausstellte. Zudem mischte er sich massgeblich in Transferfragen ein und schaute eher auf den Profit als auf die Zusammensetzung des Teams, wodurch während der ersten Saison im Wankdorf bis zu 50 Transfers getätigt wurden. So konnte kein Team entstehen, welches siegreich spielt. Zudem wechselte man dreimal in zwölf Monaten den Trainer, da die Erfolge ausblieben. Desshalb galt innerhalb der YB Fans Peter Jauch als meistgehasster Zürcher in Bern.
An diesem Tag stand das Derby YB- Fc Thun auf dem Programm. Es war ein schöner Sonntagnachmittag. Das Wankdorf war mit 26‘000 Zuschauer gut gefüllt. Durch das Spiel durch wurden immer wieder Transparente hoch gehalten und Aktionen gegen Peter Jauch gemacht, dem damaligen CEO des Wankdorfs. Die Choreo begann mit einem Plakat und einigen leeren Sitzreihen, wo Jauchs Freunde stehen. Die Sitzreihen blieben leer, als Zeichen das Jauch keine Freunde bei YB hat und er verschwinden soll. Die Ostkurve blieb die erste Viertelstunde lang still als Zeichen des Protests. Weiter wurde in der zweiten Halbzeit etwas Rauch erzeugt mit einer Petarde und man schrieb auf ein Plakat, dass Jauch den Rauch bezahlen werde. Diese Aktionen verfehlten ihre Wirkung nicht, denn wenige Wochen später kündigte Peter Jauch seine Stelle und kehrte Bern den Rücken.
5 Persönlicher Erlebnisbericht
Lens- YB, 30.08.07
YB hat sich in der Saison 2006-2007 sehr knapp für den Uefa-Cup qualifizieren können. Im ersten Spiel des Uefa-Cups ging es nach Armenien gegen Banants Yerevan, welche für YB kein Hinderniss darstellten. In der nächsten Runde hiess der Gegner RC Lens. Schnell war man sich bewusst, dass Lens bereits das Ende von den Berner im Uefa-Cup sein könnte. Trotz diesem Gegner und der eher schlechten Voraussetzung für ein Weiterkommen nach dem Unentschieden im Hinspiel entschied ich mich nach Lens zu fahren. Ich wollte YB im Ausland unterstützen und der Zeitpunkt dafür war gerade gut. Zudem kamen noch zwei Kollegen vom Fanclub mit. So konnte die Reise geplant werden.
5.1 Hinreise
Das Spiel fand an einem Donnerstag in Lens statt im Stadion Félix- Bollaert. Damit man noch die Stadt besichtigen konnte, fuhr der Car früh am Mittwochabend auf der Schützenmatt ab. Wir meldeten uns für die Carfahrt bei gäubschwarzsüchtig an. Der Preis für die Fahrt inklusive Eintritt war 120.-. Die Ostkurve bot auch eine Carfahrt an, doch dieser fuhr erst um Mitternacht ab. Im Gesamten fuhren drei Care voller YB Anhänger Richtung Lens ab. Die zu fahrende Strecke war ein bisschen länger als jene nach Marseille, wo YB in den beiden Jahren zuvor spielte. Für solche, welche ihre Jungfernfahrt mit YB hatten, war es eine lange Reise, doch die Zeit verflug schnell im Partycar. Nach zwölf Stunden und etlichen Rauchstopps kam der GSS Car im verschlafenen Städtchen Lens an, welches 37‘000 Einwohner zählt. Der Car wurde in einem riesigen, mit einer Mauer und Stacheldraht umzäunten Parkplatz abgestellt.
5.2 Ankunft
War der Car erst einmal geparkt, bewegte sich der 50 köpfige Mob Richtung Zentrum. Auf dem Weg dorthin erhielt ich einen ersten Eindruck von Lens. Es war acht Uhr morgens, an einem Donnerstag. Eigentlich ein gewöhnlicher Arbeitstag, doch bei den meisten Häuser waren die Rollladen noch unten und auf den Strassen waren erst einzelne „Frühaufsteher“ zu erkennen.
Die Gruppe wurde mit der Zeit immer kleiner. Einige gingen ins nächstgelegene Pub, andere gingen zum Beck und nahmen gemütlich das Morgenessen ein. Wir liefen nach einem kurzen Morgenessen weiter Richtung Zentrum, mussten aber feststellen, das es kein eigentliches Zentrum gibt. So entschieden wir uns, in einem kleinen, aber gemütlichen Café mit dem Namen „La civette“ den Tag zu verbringen. So genehmigten wir uns am Morgen um 09:00 uhr das erste Bier.
5.3 Zeitvertrieb
Bis zum Spielbeginn verblieben noch zehn Stunden. Die Frage, welche wir uns nun stellten, war, was man bis dahin machen konnte. Die meisten YB Fans blieben im Café und übten mit einheimischen YB Fans, welche gegenüber dem Café wohnten, den Wechselgesang. Bei den lenser YB Anhänger handelte es sich um verwandte von ehemaligen YB Spielern. Es war ein lustiges Fest. Man trank und sang. Das Café konnte dies nur erfreuen, denn der Umsatz stieg an diesem Tag sicher enorm an. Vor allem erfreuten sich die Besitzer des Cafés ab dem Blick von weiteren ca. 200 YB Fans, welche mit den von OKBE organisierten Caren anreisten und nun zum „La civette“ liefen. Es gab ein fröhliches Wiedersehen unter YB Fans. Zu diesem Zeitpunkt war es elf Uhr. Langsam knurrte uns der Magen. Somit gingen wir auf die Suche nach einem Supermarkt. Mit unserem Schulfranzösisch erkundigten wir uns, wo der nächste Supermarkt liegt. Wir erfuhren, dass der Supermarkt über Mittag geschlossen ist. Somit blieb uns noch der Beck übrig und kauften ein Sandwich mit viel französischem Käse.
5.4 Alkohol...
Als wir wieder zurück zum Café gingen, war unser Kollege so betrunken, dass er vornüber fiel und sich verletzte. Da entschieden wir uns, ihn vom Café wegzubringen und mit ihm in eine etwas ruhigere Gegend zu gehen. Ein ziemlich schweres Unterfangen einen Betrunkenen von der Strasse und den anderen Leuten abzuhalten. Der Betrunkene torkelte in ein Restaurant, wo vier andere YB Fans auf das Spiel warteten. Diese vier waren so nett und halfen uns, den Betrunkenen im Zaun zu halten. Nach etlichen Versuchen auszubrechen, schlief er auf der Couch in einer sehr komischen Position ein, wodurch die Restaurantbesitzer angst bekamen und uns raushaben wollten. Doch wir konnten ihn nicht mehr wecken. Es kam wie es kommen musste: Die Besitzer riefen die Ambulanz und der Betrunkene konnte gegen eine sehr hohe Rechnung seinen Suff im Spital auspennen und er verpasste zudem das Spiel.
5.5 Spiel
Für uns war es an der Zeit, zum Stadion zu gehen, denn es war nur noch eine Stunde bis zum Spielbeginn. Nachdem wir durch die strengen Eingangskontrollen kamen, musste wir ca. 500 Meter durch einen schmalen Gang zum Gästesektor laufen.
Das Stadion war bereits gut gefüllt. Das Félix-Bollaert Stadion hat ein Fassungsvermögen von 41‘000 Plätzen. Bei Spielanfang waren 30‘000 Zuschauer anwesend. Der Gästesektor war mit ca. 300 Berner und Bernerinnen gut gefüllt. Mir imponierte von Anfang an die Stimmung der Lens Anhänger, welche ihre Kurve nicht in der Breite hatten, sondern in der Länge des Stadions. Sie beeindruckten mit vielen Fahnen und eindrücklicher Stimmung.
Das Spiel war schnell entschieden. YB überzeugte ganz und gar nicht und verlor das Spiel 5:1. Eine harte Klatsche, vor allem für die mitgereisten Fans. Somit war das Abendteuer YB im Uefa Cup bereits in der zweiten Runde zu Ende. Wir mussten nach Spielende noch eine halbe Stunde im Gästesektor verharren, ehe uns die Polizei zu den Caren liess.Dann machten wir uns wieder auf den Rückweg mit einer kleinen Polizeipatrouille, welche uns ein paar Kilometer begleitete.
5.6 Rückfahrt
Während der Rückfahrt beschränkte man sich auf eine kritische Spielanalyse und schlief bald ein. Im Car fehlten drei Berner, welche durch zu hoher Alkoholkonsum die Nacht in Lens verbringen mussten. Sie fuhren am nächsten Morgen mit anderen YB Fans per Zug nach Hause. Um sechs Uhr morgens kam der Car in Bern an. Somit hatte ich noch genügend Zeit, schnell nach Hause zu gehen, zu duschen und mich für die Schule vorzubereiten. Somit war meine Jungfernfahrt an ein Spiel von YB im Ausland bereits wieder vorbei. Es wird sicher nicht die letzte Fahrt gewesen, denn es ist einfach klasse, in einer fremden Stadt mit 300 anderen Bernern zu singen und Stimmung zu machen, und dies auf eine friedliche Art und Weise.
6. Fazit
6.1 NLB- Zeit:
Mit der Grafik soll die Zuschauer-Zunahme der letzten zehn Jahren bildlich dargestellt werden. Wie Sie sehen, waren während der NLB- Zeit 1999/2000 am wenigsten Leute bei den Spielen. Trotzdem besuchten noch durchschnittlich 2‘500 Zuschauer die Spiele, was bemerkenswert ist, hat doch GC heute nicht viel mehr Zuschauer. Da die Zahl der auswärts fahrenden Fans stetig bei 40-50 Personen blieb, kann man sagen, dass sich der harte Kern nicht verändert hat während der Saison in der NLB.
6.2 Aufstieg:
Während der Saison 00/01, als YB mit Marco Schällibaum aufstieg, konnte man eine eindeutige Zuschauer- Zunahme verzeichnen. YB spielte wieder besser. Zudem war es die letzte Saison im alten, ehrwürdigen Wankdorf, wodurch das Interesse an einem Besuch eines Spiels von YB stieg.
6.3 Neufeld
In den Jahren zwischen 2001 und 2005, als YB wieder in der höchsten Spielklasse spielte und das Neufeld als neue Heimstätte bezogen wurde, waren immer zwischen 7‘000 bis 9‘000 Zuschauer an den Spielen. Die Zuschauerzahl richtete sich vor allem nach dem Gegner. So waren Spiele gegen den damaligen Meister FC Basel immer ausverkauft. Hingegen bei Gegner wie Schaffhausen oder Aarau war die Nachfrage nicht sehr gross.
6.4 Bezug der Ostkurve
Als die Fans im Jahre 2005 die Ostkurve im neuen Wankdorf bezogen, verdoppelte sich die durchschnittliche Zuschauerzahl auf 14‘139. Das neue Stadion zog viele Fans an, welche in der Folge immer an den Spielen dabei waren. So stieg auch die Zahl der treuen Fans und somit war YB auswärts auch stärker vertreten als noch in den vorherigen Jahren. Zudem wurde mit der Gründung der Ostkurve die Kommunikation unter den Anhängern besser gestaltet und die Fangemeinschaft wuchs. Durch viele neue Ultra- Gruppierungen wurde die Fankurve auch Farbenprächtiger und kreative, schöne Choreographien wurden kreiirt. Des weiteren übernahm der Capo die Aufgabe, die Fans zum Singen zu animieren.
6.5 Modefans
Es gibt immer noch sehr viele Zuschauer, welche die Spiele von YB besuchen, wenn attraktive Gegner zu sehen sind. Da in der Super Leauge das fussballerische Niveau in der letzten Zeit anstieg, was nicht zuletzt wegen dem Aufstieg von Luzern und Sion geschehen ist, wurde auch das Interesse am schweizerischen Fussball grösser. Waren früher der FC Schaffhausen, Yverdon oder der FC Wil Gegner des BSC YB, kommen heute nur noch starke und desshalb Interessante Mannschaften, wodurch die Zuschauermenge stieg, was sich in der Saison 06/07 wieder bestätigte, als durchschnittlich 15‘556 Zuschauer die Spiele besuchten. Der aufwärts Trend geht auch in diesem Jahr weiter: Bis jetzt besuchten durchschnittlich 16‘000 Zuschauer die Heimspiele von YB, was wiederum eine Zunahme bedeutet.
6.6 Potential
Die Fangemeinschaft des BSC YB ist also dauernd am wachsen, obwohl YB seit 20 Jahren keinen Titel mehr gewonnen hat. Gewänne YB wiedermal einen Titel, kann man sicher neue Anhänger binden und die Zuschauerzahl würde stark ansteigen. Dann hätte YB gleiche Zuschauermassen wie der FC Basel in seinen Meisterjahren, was zu einer guten Stimmung beitragen würde. Wie lange dieser Zuschaueraufmarsch dann so hoch bleiben würde, ist allerdings fraglich.
Glossar
1. Hattrick: Drei aufeinaderfolgende Titel
2. Schlachtenbummler: Unterstützer eines Sportclubs, die Mannschaft auch Auswärts begleiten
3. Europacup der Landesmeister: frühere Champions League
4. Fans: begeisterter Anhänger
5. Hooligans: gewalttätige Zuschauer; prügeln sich mit gegnerischen Hooligans; meistens nicht an Spiel interessiert
6. Ultras: Ereignisorientierte Fans; Beginn in Italien; fanatische Anhänger, immer und überall beim Verein; organisieren Choreographien, zünden Bengalische Feuer; Identität mit Verein sehr wichtig; gegen Kommerzialisierung des Fussballs;
bitte rückmeldungen, tipps, vorschläge

